Eine Theaterhaus-Studie zeigt, wie es geht
Manch soziokulturelles Zentrum rechnet sich nicht mehr. Schlagzeilen wie diese sind kein Einzelfall: „Im Ulmer Roxy gehen nach und nach die Lichter aus“ (Stuttgarter Zeitung vom 12.12.2009). Nicht so im Theaterhaus Stuttgart, das vor einem Vierteljahrhundert gegründet wurde und inzwischen das größte soziokulturelle Zentrum Deutschlands und sogar Europas ist. Das Haus hat nicht nur den Umzug von Stuttgart-Wangen auf den Pragsattel und damit den Wechsel vom Randgewerbe zum Großbau ohne Blessuren überstanden. Es hat auch eine Programm-Aktualisierung vorgenommen, ohne an Publikumszuspruch zu verlieren. Und schließlich bringt das Theaterhaus der Region Gewinne auf dem Wege der Umwegrentabilität. Das sind die wichtigsten Resultate eines Gutachtens, das vom Ludwigsburger Institut für Kulturmanagement erarbeitet wurde. Geleitet wurde das Forschungsprojekt von Professor Dr. Thomas Knubben und Dr. Petra Schneidewind. Beteiligt waren außerdem drei Absolventen des Instituts: Katharina Hepp, Sabrina Fütterer und Tom Schößler.
„Gutachten zur kultur- und kreativwirtschaftlichen Positionierung des Theaterhauses Stuttgart“, so der Titel der Studie, die zum Jahresende 2009 auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Die Überschrift hat es in sich: Sie soll signalisieren, dass das Theaterhaus nicht nur kulturelle Bedeutung hat, sondern auch einen Stellenwert in der neu sich aufstellenden „Kreativwirtschaft“. Konkret: Das Theaterhaus bringt nicht nur Künstler zum Publikum, sondern darüber hinaus auch Arbeitsplätze in die Stadt. Rechnet man zu den 74 Festangestellten im organisatorischen und künstlerischen Bereich noch alle Mini-Jobs, Honorarkräfte, Künstlerengagements und Beschäftigungseffekte bei Fremdveranstaltungen sowie im Tourismusbereich hinzu, so ergeben sich in der Summe gut 250 Vollzeit-Arbeitsplätze, die durch das Theaterhaus geschaffen werden.
Indirekt erzeugen Künstler und Besucher des Theaterhauses durch Übernachtungen ein touristisches Gesamtvolumen von rund 3,7 Millionen Euro. Ein direkt finanzwirtschaftlicher Effekt entsteht durch Rückflüsse von Steuern und Abgaben. Den institutionellen Zuschüssen von Stadt und Land in Höhe von rund 1,75 Millionen Euro standen 2008 öffentliche Einnahmen aus dem Theaterhaus von rund 3,0 Millionen Euro gegenüber. Zusätzlich anfallende Steuern, die nur durch Vergleichswerte aus der Staatsquote ermittelbar sind, könnten den tatsächlichen Rückfluss an die öffentlichen Haushalte bis auf das Doppelte, also auf maximal 6 Millionen Euro schätzen lassen. „Rentierliche Investition“ nannte Professor Knubben als Projektleiter diesen Prozess: „Es kommt mehr in die Kasse zurück, als ausgegeben wurde.“
Mit anderen Worten: Am Theaterhaus gewinnen alle! Und dass das Publikum mit seinen Erwartungen dabei nicht zu kurz kommt, beweisen die neuesten Umfrage-Daten. Im Jahr 2008 zählte das Theaterhaus mit 897 Veranstaltungen annähernd drei Millionen Besuche; pro Spieltag kamen im Schnitt 900 Besucher ins Haus. Mit rund 60 Prozent sind diese weiblich und haben überwiegend Abitur. Rund die Hälfte der Besucher kommt aus Stuttgart und den unmittelbar benachbarten Landkreisen.